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Was ist ein Seelenpferd?

October 17, 2017

Oft hört man „Ich habe mein Seelenpferd gefunden!“
Doch was ist eigentlich dieses Seelenpferd? Kann das jeder haben und wenn ja, wo bekommt man es her? 
Ich glaube die Antworten auf diese Fragen sind sehr subjektiv und nicht einfach zu beantworten. 
Allerdings denke ich, dass mir jeder zustimmen wird, wenn ich sage: Das Seelenpferd gibt es nicht im Katalog zu bestellen, es ist ein tiefes Gefühl.
Ich selbst hatte in meinem Leben bereits 2 Seelenpferde. Ja ihr habt richtig gehört, es gibt im Leben eines Menschen nicht nur DAS eine Pferd. 
Es ist viele Jahre her, als ich eine Reitbeteiligung zu einer wundervollen Araber-Stute hatte. Anfangs war es jedoch alles andere als einfach mit uns beiden. Als ich sie übernommen habe, war sie roh, stand Jahre vorher nur auf der Koppel und keiner hatte sich weiter um sie gekümmert. Mit 9 Jahren war es für sie recht unverständlich, dass ein Mensch sie auf einmal Reiten und Führen wollte. Oft war ich traurig und kurz davor alles hinzuwerfen. Tränen der Wut und Verzweiflung sind geflossen, ich habe getobt, geweint und manchmal auch gelacht. Meine Stute bekam in einem Zeitraum von 1,5 Jahren teils unschöne Spitznamen wie Besen, Hexe , Zicke usw. Dann änderte sich alles und meine Beharrlichkeit zahlte sich aus. Sie fasste vertrauen zu mir und langsam wusste jeder, was der andere dachte und ich hatte das Gefühl vorrausahnen zu können, was sie wann tat. Wir hatten ein Band geknüpft, ein tiefes inniges Band, welches fest in unseren Seelen verankert schien. Ich vertraute ihr blind, liebte sie bedingungslos und fühlte mich einfach nur unheimlich wohl in ihrer Nähe. Wir galoppierten über Felder und genossen die Freiheit. Mit ihr hatte ich das Gefühl fliegen zu können, wir waren eine Einheit - untrennbar verbunden…das glaubte ich zumindest… Leider war ich nur die Reitbeteiligung und so sehr ich es mir auch wünschte, war es mir zur damaligen Zeit finanziell nicht möglich gewesen, sie zu kaufen und für sie aufzukommen. So kam es wie es kommen musste, als ich sie ausgebildet hatte, verkauften die Besitzer sie. Es zerriss mir das Herz als ich sie gehen lassen musste, es waren unerträgliche Schmerzen die meine Seele erfüllten … an diesem Tag starb ein Teil von mir.
(Sie hat nun eine ganz tolle neue Besitzerin, die sie mindestens genau so liebt, wie ich damals. Deswegen war der Weg zwar schmerzhaft, aber alles andere als falsch. Ich denke, ein besseres Pferdeleben kann sie nicht haben. Danke dafür!)
Meine Seele war immer noch schmerzerfüllt, davon überzeugt, nie mehr ein Pferd so lieben zu können wie diese Stute. Dennoch übernahm ich eine weitere Reitbeteiligung, einen Friesen-Wallach. Alles andere als das was ich wirklich wollte. Er war stoisch, schaute mich nicht an, wenn ich auf die Koppel kam und war nicht im Ansatz so, wie (meine) Stute. Aber er hatte einfach einen anderen Charakter, war eben nicht so anhänglich wie ein Araber…denn er war ein Friese und das musste ich erst einmal begreifen. Ich hatte lange das Gefühl einfach keine Bindung zu ihm aufbauen zu können, im Gelände vertraute ich ihm nicht, weil er immer recht unkontrolliert war. 
Er war einfach … nur ein Pferd. Ich kümmerte mich anfangs um ihn, weil ich die Nähe zu den Pferden suchte, da ich ohne auch nicht leben wollte. So verging etwa ein Jahr, ich will nicht sagen, dass ich ihn nicht mochte… ich hatte ihn lieb und ich war gerne bei ihm … aber etwas fehlte. Dann passierte das was man keinem wünscht. Er wurde krank. Seine chronische Bronchitis wurde immer schlimmer und ein normales Reiten war kaum noch möglich. Ich bekam Angst… Angst ihn zu verlieren und kümmerte mich immer intensiver um ihn und langsam wuchs das Vertrauen. Ich scheute mich auch nicht im Sommer früh um 4 mit ihm ausreiten zu gehen, weil er sobald es warm war nur noch schlecht Luft bekam. Langsam aber sicher nahm er die Leere in meiner Seele ein, das Loch, das die Araber-Stute zurück gelassen hatte und von dem ich dachte, dass es nie wieder gefüllt werden kann… 
Heute haben wir die Krankheit im Griff und wir können frei sein. Er gehört inzwischen mir und ich liebe ihn über alles. Ich habe mir geschworen, ich werde ihn bis zu seinem letzten Atemzug begleiten. 

Was ist nun ein Seelenpferd? Es ist das tollste Pferd der Welt, wo kein anderes mithalten kann. Es hat deine Seele infiziert…unheilbar. Du vertraust ihm dein Leben an, ohne nachzudenken, denn du weißt, es passt auf dich auf. Wenn du bei ihm bist, werden die Tage heller, in dir scheint die Sonne, auch wenn es draußen regnet. Wenn es leidet, leidest du mindestens genauso, kannst nachts nicht schlafen und wenn es sein muss, übernachtest du mit im Stall, weil du dir sicher sein willst, dass die Kolik wirklich abgeklungen ist. Wenn es stirbt, stirbt auch ein Teil von dir…für immer.

Ein Seelenpferd kann man nicht bewusst kaufen… Man bekommt es. Manchmal hat man eine Ahnung, das dieses oder jenes Pferd etwas Besonderes ist… manchmal braucht es aber auch Zeit, damit sich so eine besondere Beziehung entwickeln kann…

 

 

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