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Was es bedeutet, ein Pferd zu haben

November 13, 2017

Ein Pferd haben? Oh das ist toll...Jeder Reiter hätte gerne eins und träumt davon, mit dem eigene Pferd über Felder zu galoppieren und sich den Wind durch das Haar wehen zu lassen. Ein Pferd zu kaufen ist einfach. Heutzutage kann man selbst für wenig Geld, noch irgendeinen "Klepper" bekommen. 

 

Doch was bedeutet es wirklich ein Pferd zu haben? Welch große Verantwortung haben wir hier eigentlich übernommen? Ich möchte mit diesem Artikel sensibilisieren und aufzeigen, was das eigene Pferd wirklich bedeutet und wie viel Geld, Zeit und Nerven es kostet.

 

Jeder Pferdehalter weiß es, vor allem kostet das eigene Pferd Geld!

Wir haben uns also den Traum erfüllt und ein Pferd gekauft, es ist recht anschaulich und es lässt sich in allen 3 Gangarten reiten.

Soweit so gut ... doch man kann ein Pferd nicht einfach in den Garten oder ins Wohnzimmer stellen.

 

Also suchen wir einen Stall, der sich gut um die Pferde kümmert. Am besten mit Vollpension, damit wir uns um nichts weiter kümmern müssen. Raufutter und Kraftfutter im Preis inbegriffen und eine Reithalle sowie ein Reitplatz dürfen natürlich auch nicht fehlen. Die Ansprüche sind hoch und die Liste der Extraleistungen in den meisten Ställen nahezu unerschöpflich, doch kann der Geldbeutel da mithalten?

Hinzu kommt, wir müssen unser Pferd versichern, ansonsten bekommen wir oft nicht einmal den angestrebten Pensionsplatz. Im günstigsten Fall ist das nur die Haftpflicht Versicherung. Da bei einer OP, mit mehrwöchigem Aufenthalt in der Klinik, auch schnell der oft zitierte "Kleinwagen" fällig wird, schließen wir auch eine OP Versicherung ab, denn sicher ist sicher. ;)

 

Aber nun, wo unser Pferd versorgt ist, wollen wir es ja auch reiten. Dazu benötigen wir Anschaffungen wie Sattel und Trense. Darauf sollte man besonderes Augenmerk legen und nicht an der falschen Ecke sparen... denn ein falscher Sattel schädigt das Pferd. Was man am Sattel spart, investiert man später nicht selten doppelt und dreifach in Tierarzt und Physiotherapeuten.

Jetzt da wir einen passenden Sattel und eine Trense unser eigen nennen, war es das doch jetzt bestimmt? Natürlich nicht! Selbstverständlich benötigen wir noch eine Abschwitzdecke, eine Regendecke, eine Fliegendecke, Putzzeug, Fliegenspray, Mähnenspray, Strick und Halfter, Longe, Longiergurt, Gamaschen, Bandagen,.... die Liste scheint schier unendlich. Hinzu kommt, dass die Anzahl, der im Handel angebotenen Utensilien, mit denen jede noch so ungeliebte Aufgabe zum Kinderspiel wird, stetig wächst. Man sieht also immer etwas, was man unbedingt noch braucht, auch wenn man meint, bereits alles beisammen zu haben (Reiter entwickeln aus irgendwelchen Gründen so eine Art Sammelleidenschaft). 

Wer glaubt, das es das jetzt war, der hat die Rechnung ohne sein Pferd gemacht. Wenn man Pech hat, nennt man einen kleinen Zerstörer sein eigen. Diese Gattung zeichnet sich besonders durch regelmäßiges herunterreißen von Decken, irgendwo im Matsch verschwundene Halfter und vieles mehr aus. Der Besuch im Pferdesportgeschäft gehört somit zum täglichen Leben, fast wie der Gang auf Arbeit.

 

Ein weiterer, für die Gesunderhaltung unseres Pferdes wichtiger Punkt, ist das Zufüttern von Supplementen. Angefangen von Mineralien und Entgiftungskuren, die man von Zeit zu Zeit geben sollte, über Mittel die das Hufwachstum anregen, das Fell mehr glänzen und den Darm besser arbeiten lassen oder die Muskeln schneller aufbauen,... . Ich persönlich kaufe diese Dinge auch gerne mal, allerdings mit bedacht, denn viele Hersteller versprechen uns natürlich Wunder. Allgemein gilt, soll das Mittel gut sein und wirklich etwas bringen, muss man etwas tiefer in die Tasche greifen.

 

Je nachdem, was wir mit unserem Pferd vorhaben, müssen wir ein oder zweimal im Jahr impfen und entwurmen. Auf diese fixen Kosten kann man sich einrichten und sich das Geld weglegen.  

Schlimmer jedoch sind die ungeplanten Dinge. Meistens wird das der Tierarzt sein, der bei Lahmheiten, Koliken, Platzwunden und Hufabzessen uns gerne besuchen kommt. Natürlich kann man auch hier Glück oder Pech haben. Während manche Pferde den Tierarzt nur vom Impfen kennen, begrüßen ihn andere schon mit Hufschlag. Gerade wenn ein Pferd den Besitzer und damit meistens den Stall wechselt, muss es sich in einer anderen Herde ganz neu finden und ist somit anfälliger für Koliken und trägt auch einige mehr oder weniger schlimme Verletzungen durch Rangordnungskämpfe davon.  

 

Da unser Pferd nicht nur auf der Koppel stehen soll, wollen wir es auch noch gut ausbilden. Hierbei hilft uns unsere Reitlehrerin, die natürlich auch nicht umsonst arbeitet. Einmal in der Woche nehmen wir nun Unterricht und freuen uns über die kleinen Fortschritte die wir machen, denn eines sei hier gesagt, die Ausbildung eines Pferdes kann sich über Jahre erstrecken. 

 

Haben wir unseren neuen Liebling erst einmal ein paar Wochen, fallen uns plötzlich einige Unschönheiten auf. Das Pferdchen hat leider nicht ganz so gute Hufe und der Hufschmied hält schon mal die Hände auf, denn für das nächste halbe Jahr ist ein Spezialbeschlag notwendig..

Ach und nicht zu vergessen der Physiotherapeut. Das Pferd kann sich auf einer Seite schlecht biegen und im Unterricht tickt es leicht. Wir müssen erkennen, dass es sich um Blockaden handelt und es dementsprechend behandeln lassen. Aus Erfahrung kann ich sagen, je niedriger der Kaufpreis des Pferdes, desto höher fallen die Folgekosten für Physio- oder Osteotherapeuten, Schmied usw. aus. Natürlich kann man auch mal einen Glücksgriff machen, aber die Regel ist das sicher nicht.

 

Zählt man alle Kosten zusammen, landet man schnell bei ca. 400-500 Euro pro Pferd und Monat, plus Anschaffungen wie Decken, usw.  (Und das bei einem jungen Pferd ohne größere Wehwehchen. Wird das Pferd alt und braucht Medikamente, können die monatlichen Kosten regelrecht explodieren.). Damit wir uns nicht falsch versteh, ich möchte hier nichts schwarz malen, sondern lediglich dafür sensibilisieren, was kommen kann... und oft hat man sich das alles ganz anders vorgestellt. 

 

 Foto: Intencja hält sich fit, damit der Physiotherapeut nicht so oft kommen muss ;) 

Doch Geld ist nicht alles.

Ein Pferd kostet uns auch Nerven, denn bei der Ausbildung, läuft nicht immer alles nach Plan. Wir erleiden Rückschläge, haben das Gefühl nicht weiter zu kommen und auf der Stelle zu treten. Wir gehen auf die Koppel und das Pferd schaut uns nicht mal an oder läuft sogar weg. Im Gelände hat unser Angsthase stets an der selben Stelle Panik und raubt uns mit seiner Nervosität den letzten Nerv. Mit einem Pferd zu arbeiten erfordert ein hohes Maß an Kreativität, bei der Erarbeitung neuer Methoden, die das Pferd zur Mitarbeit überreden.

 

Weiterhin kostet ein Pferd auch Zeit und es benötigt vor allem das Verständnis unserer Mitmenschen. Das beginnt mit dem regelmäßigen Besuch bei unserem Liebling, der gut und gerne mehrere Stunden dauern kann und endet bei so manchem verschobenen Treffen mit Freunden oder der Familie, wenn das Pferd mal krank ist und der Tierarzt erst spät abends Zeit hat. Nachts können wir dann nicht schlafen, weil uns die Sorge quält, ob es unserem Schützling schon besser geht. Oder wir wollen in den Urlaub fahren, doch unser Pferd zieht sich eine Wunde zu, die tägliche Versorgung braucht. Mit etwas Glück finden wir einen netten Menschen der sich unseres Pferdes annimmt, doch haben wir Pech, müssen wir den langersehnten Urlaub sogar absagen. Unsere Partner müssen verstehen lernen, dass man eben nicht immer pünktlich daheim sein kann, wenn man zum Pferd geht. Es kann immer mal etwas unvorhergesehenes geschehen und wir brauchen dann die ein oder andere Stunde länger als geplant.

Zu Guter letzt muss sich ein Pferdebesitzer auch bewusst sein, dass er die Verantwortung für ein Lebewesen übernommen hat. Das heißt, wir müssen Entscheidungen für das Tier treffen. Manchmal sind diese recht einfach. Wir entscheiden über Futter, Art der Ausbildung und den Sattel (ok, die Suche nach dem Sattel ist oft nicht wirklich einfach, sie kostet Nerven!). 

Oder die kleinen täglichen Entscheidungen, z.B. wenn wir ausreiten und uns überlegen, ob wir auf der Straße zurückreiten oder lieber doch den längeren Weg durch den Wald nehmen. Oder wir gehen spazieren und entscheiden uns für den rechten Weg, weil der Linke steiniger ist und unser Pferd in letzter Zeit fühlig läuft.... Wir passen auf unseren Schützling auf und achten darauf, das ihm und uns nichts passiert. Mit gesundem Verstand ist diese Aufgabe auch gar nicht so schwierig. 

Und es gibt es noch, jeder Halter eines Tieres kennt sie, die unschönen Entscheidungen, die so unendlich schwer sind. Besonders, wenn wir über das Leben oder den Tod unseres geliebten Vierbeiners entscheiden müssen. Ist die OP wirklich noch sinnvoll? Quält sich unser Pferd? Haben wir wirklich alles getan, um zu helfen?

Irgendwann ist fast jeder Pferdebesitzer einmal in der Pflicht, diese Entscheidung treffen... Es ist Zeit mein Pferd zu erlösen! Sie ist nicht einfach, zermürbt einen innerlich und zerbricht dich regelrecht. Doch wir haben die Verantwortung übernommen und auch wenn wir uns dessen anfangs nicht bewusst sind,  haben wir die unumstößliche Pflicht, diese Entscheidung, wenn es an der Zeit ist, zu treffen und unser Pferd auf seinem letzten Weg zu begleiten.

 

Ein potentieller Pferdehalter muss sich ebenfalls darüber im Klaren sein, dass Pferde keine Sachen sind, die man schnell wieder verkauft, wenn sie einem lästig werden. Die Tatsache, dass dies leider nur allzu häufig der Fall ist oder das unerwünschte Anhängsel beim Schlachter landet, ist nur ein weitere Beweis, für das moralisch fragwürdige Verhalten einiger Tierbesitzer. Wer nur ein paar Jahre Spaß haben will, ist mit einer Reitbeteiligung besser aufgehoben. Wer sich jedoch für das eigenes Tier entscheidet, trifft damit eine Entscheidung für's Leben, mit allen Höhen und Tiefen. Denn ein Pferd kann 30 Jahre und älter werden und genauso lange gehen wir diese Verpflichtung ein!

Für alle, die den Artikel bis hierhin gelesen und noch nicht erschrocken das Weite gesucht haben, gibt es jetzt noch die gute Nachricht. Trotz all der o.g. Bedürfnisse, Probleme und den damit verbundenen Kosten, ist ein Pferd auch ein Partner, den man nicht mehr missen möchte und mit dem man viele schöne Erlebnisse teilt. Ob einen der kleine Tollpatsch mal wieder zum Lachen bringt oder man zu zweit die ein oder andere brenzlige Situation meistert, es schweißt zusammen. Jeder der die Herausforderung Pferd annimmt, gewinnt am Ende einen treuen Weggefährten und ein Familienmitglied, für das sich jedes Opfer gelohnt hat. 

 

 

Foto: Walter, mein treuer Weggefährte und ich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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