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Pferdetraining -Teil 1: Wie alles beginnt

December 3, 2017

Da ich mich momentan recht intensiv mit der gesunden Ausbildung von Pferden beschäftige, möchte ich auch darüber etwas schreiben und euch an meinen Erfahrungen teilhaben lassen. 

Da diese Thema unheimlich umfangreich ist, wird es dazu mehrere Artikel geben. 

 

Dieser Artikel befasst sich mit der grundlegenden Problemstellung "Welches Training ist das richtige für mein Pferd?". Die Frage scheint eigentlich recht simpel. Doch für die Antwort, muss man erst einmal die Schwachstellen an seinem Pferd erkennen und erfühlen können. 

Hierzu sollte man sich sein Pferd zuerst einmal vom Boden aus anschauen. Mein erster Blick geht immer zum Pferderücken. Ist er gut bemuskelt? Neigt das Pferd schon zu einem Senkrücken? Ist das Pferd in der Lage den Rücken aufzuwölben?

Wie sieht der Hals aus? Sind die Muskeln an der richtigen Stelle, heißt: Hat das Pferd einen Unterhals? Ist die obere Halslinie gut bemuskelt?

Wie sehen Vorder- und Hinterhand aus? Sind beide ähnlich dimensioniert und muskulös? Wenn nicht, deutet das auf eine Mehrbelastung hin, welche bei der Vorhand eher ungesund ist. 

Als nächstes schaue ich mir an der Longe an, wie das Pferd läuft. Tritt es gleichmäßig unter? Tritt die Hinterhand in einer Linie mit der Vorhand? Tritt sich das Pferd selbst in die Hufe? Kann es bei Seitengängen an der Hand übertreten? Läuft es locker? Schlurft es? Kommt die Vorhand weg? Kommt die Hinterhand gut hinterher? Neigt das Pferd dazu nach innen oder außen zu drängeln? Ist das auf beiden Händen gleich oder auf jeder unterschiedlich? Verwirft sich das Pferd im Hals? Wie trägt es den Schweif?

Danach reite ich das Pferd, denn auch im Sattel kann man einiges fühlen. Schwingt der Rücken? Kann ich das Pferd gut sitzen? Geht es im Takt? Geht es über die Schulter weg? Wie gut funktionieren die Seitengänge im Sattel? Wie gehorsam ist das Pferd? Schlägt es mit dem Kopf? Sperrt es das Maul auf? Habe ich das Gefühl, dass es sich unter mir biegt?

....

Ich glaube, ich könnte den ganzen Artikel mit solchen Fragen füllen. Aber viel wichtiger sind die Folgerungen aus den aufgeworfenen Fragen. Was mache ich aus meinen Beobachtungen?

 

Zuerst ist es wichtig, dass man durch einen Physiotherapeut abklären lässt, dass das Pferd auch jegliche Art von Training durchführen darf. Meine beiden Pferde dürfen zum Bespiel nicht springen, mein Friese aufgrund von Arthrosen und meine Stute, weil sie mit der Hinterhand nicht richtig unterspringt und damit die Wirbelsäule falsch belastet. Das heißt, ich muss mein Training dahingehend anpassen und Übungen wie Gymnastiksprünge weglassen bzw. clever ersetzen. 

 

Das heißt natürlich auch, dass ich hier keinen generellen Trainingsplan aufstellen kann und werde. Ich kann auch nicht pauschal für jedes Problem eine generelle Übung empfehlen. Das wäre fahrlässig, denn wichtig ist auch immer das Gesamtbild des Pferdes. Man sollte niemals nur einen aus dem Zusammenhang gerissenen Teil betrachten. Das Training muss für jedes Pferd individuell abgestimmt und auf seine Bedürfnisse, körperlichen Einschränkungen und Problemzonen zugeschnitten sein. 

 

Die größte Problemzone ist meiner Erfahrung nach der Pferderücken. In jungen Pferdejahren meist nicht beachtet, weil er da noch gut aussieht. Später, wenn die Pferde älter werden, sieht man dann was aus dieser Unachtsamkeit und den Versäumnissen entsteht.

Um das zu Vermeiden, muss man dem Pferd beibringen den Rücken unter dem Reiter aufzuwölben. Doch das ist nicht so einfach, wie es sich anhört, denn dafür braucht das Pferd eine starke Rückenmuskulatur, aber auch trainierte Bauchmuskeln, die den Bauch hochdrücken können, da die Rückenmuskeln das nicht alleine leisten können. Auch muss man dem Pferd irgendwie erklären, dass es den Rücken während des Trainings aufwölben soll. Auf der Koppel gibt es dafür schließlich keinen Grund, warum also unter dem Reiter?

Die viel entscheidendere Frage hier ist aber: Kann mein Pferd den Rücken überhaupt aufwölben? Es gibt leider viel zu viele Pferde, die das tatsächlich NICHT können, auch wenn sie es gerne würden. Die Ursache dafür liegt meist in Verspannungen und Schmerzen, die aber nicht unbedingt vom Rücken kommen müssen. Testen könnt ihr das ganz einfach. Geht mit Zeigefinger und Daumen seitlich unter den Pferdebauch. Zwischen den Vorderbeinen könnt ihr eine Vertiefung ertasten. Von dort aus fahrt ihr, mit etwas Druck, mit den Fingern unter dem Bauch entlang. Hat das Pferd einen gesunden Rücken, wird es den Rücken aufwölben. Beginnt es statt dessen mit dem Schweif zu schlagen, vielleicht sogar zu treten und zu beißen, bzw. den Kopf hoch zu reißen, könnt ihr sicher sein, dass das Aufwölben dem Pferd unangenehm ist oder ihm sogar Schmerzen bereitet. Bitte nehmt jetzt nicht den Hufkratzer oder ähnliches und versucht es nochmal mit einem unangenehmeren Reiz.

Haben wir festgestellt, dass das Pferd den Rücken einfach nicht aufwölben kann (was meiner Ansicht nach bei sehr vielen Pferden der Fall ist), muss man überlegen, warum nicht. 

In den wenigsten Fällen kommt es direkt vom Rücken (eine Abklärung mit einem Tierarzt ist sinnvoll). Meistens sind die Hinterhand, die Schulter und/oder Verspannungen im Nacken das Problem. Wenn man sich die Anatomie des Pferdes anschaut, verläuft ein großes Band vom Genick über den Rücken bis zur Kruppe, das so genannte Nacken- und Rückenband. Ist ein Teil davon gestört, kann das Pferd den Rücken nicht mehr schmerzfrei aufwölben. 

Deshalb unterstütze ich meine Pferde, indem ich sie bereits vor dem Reiten dehne und Verspannungen löse. Ich beginne am Kopf, mache weiter am Hals, dann die Schulter und Vorhand, den Rücken, die Hinterhand und zuletzt den Schweif. Mit gezielten Übungen, die ich reglemäßig wiederhole, kann ich dem Pferd helfen, lockerer und beweglicher zu werden. Welche Übungen das genau sind, werde ich noch in einer Art Booklet zusammen stellen und das natürlich noch mit Bildern hinterlegen. 

 

Außerdem habe ich auch sehr gute Erfahrungen damit gemacht, das Pferd vor dem Reiten, vom Boden aus warm zu machen. Gerade in den kühleren Monaten sind die Muskeln angespannt und kalt. Kommt noch das Gewicht des Reiters dazu, verspannen sich die Pferde noch mehr. Stellt euch vor: draußen ist es kalt, ihr habt euch nicht wirklich viel bewegt und auf einmal möchte ein Kind auf eure Schultern. Die kalten Muskeln verkrampfen sich unter dem Gewicht und ihr merkt, wie sich eure Schultern immer mehr verspannen. Der Nacken wird steif und wenn ihr dann noch rennen sollt, tut euch nach wenigen Metern auch noch der Rücken weh, denn der verkrampft ja auch. Ein Teufelskreis, den man nur umgehen kann, indem man sich vorher aufwärmt und die Schultermuskulatur gelockert hat. 

 

Erst jetzt könnt ihr das Training beginnen. Wollt ihr den Takt eures Pferdes verbessern, könnt ihr Stangen einsetzen oder Tempowechsel einbauen. Wollt ihr die Schulter eures Pferdes lockern, sind Hinterhandwendungen und Zirkel verkleinern und vergrößern gute Übungen. Die Hinterhand kann man mit 4 Hütchen, die man im Viereck aufstellt, aktivieren. Das Pferd muss dabei aktiv um die Ecken treten. Lässt sich das Pferd schlecht biegen, ist das Reiten in Konterstellung manchmal hilfreich. Es gibt unheimlich viele gute Übungen, die unsere Pferde gymnastizieren und trainieren. Wir müssen uns nur Gedanken machen, welches Training zu unserem Pferd passt. 

 

Folgende Probleme konnte ich bei meinem Friesen feststellen: 

1. Sein Rücken war nicht genug bemuskelt und er wölbte ihn nur ungern auf.

2. Er tritt mit dem linken Hinterbein außen an sich vorbei. 

3. Auf der rechten Hand ließ er sich nicht so gut biegen und drängte auch gerne nach innen.

4. Auf der linken Hand überstellte er sich häufig und drängte auf dem Zirkel über die Schulter nach außen.

5. Seitengänge machte er nur mit viel Widerwillen und er mogelte sich gerne heraus.

6. Er verweigerte das rückwärts Gehen unter dem Reiter. 

 

Mit diesem Artikel möchte ich euch dafür sensibilisieren, dass es sehr wichtig ist, sich sein Pferd anzuschauen und sich Gedanken über ein sinnvolles Training zu machen. Immerhin wollen wir alle möglichst lange ein gesundes Pferd haben. 

Im nächsten Artikel erzähle ich, welche Probleme ich mit welchem Training in den Griff bekommen habe und an welchen ich weiterhin arbeite. Ich möchte euch weitere Trainingsmethoden zeigen, mit denen man effektiv sein Pferd gymnastizieren und auf eine Reitstunde vorbereiten kann.Vielleicht ist ja das ein oder andere für euch dabei, solltet ihr ähnliche Probleme bei eurem Pferd beobachten.

 

 Foto: Wenn das Training mal wieder länger dauert....

 

 

 

 

 

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