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Pferdetraining - Teil 2: das Rücken aufwölben

January 8, 2018

Mein letzter Artikel endete mit der Aufzählung von Problemen, die ich mit meinem Friesen zu bewältigen habe. Kurz zur Erinnerung:

 

Folgende Probleme konnte ich bei meinem Friesen feststellen: 

1. Sein Rücken war nicht genug bemuskelt und er wölbte ihn nur ungern auf.

2. Er tritt mit dem linken Hinterbein außen an sich vorbei. 

3. Auf der rechten Hand ließ er sich nicht so gut biegen und drängte auch gerne nach innen.

4. Auf der linken Hand überstellte er sich häufig und drängte auf dem Zirkel über die Schulter nach außen.

5. Seitengänge machte er nur mit viel Widerwillen und er mogelte sich gerne heraus.

6. Er verweigerte das rückwärts Gehen unter dem Reiter. 

 

Heute möchte ich berichten, wie ich das erste Problem gelöst und mein Pferd dazu gebracht habe, den Rücken aufzuwölben. Dazu muss ich allerdings noch kurz auf seine körperlichen Mängel eingehen. Zum einen hat er Arthrose. Das ist besonders bei windigem und kaltem Wetter spürbar. An solchen Tagen muss ich besonderes Augenmerk auf das Aufwärmen legen. Das bedeutet für mich grundsätzlich eine Aufwärmphase von 20 min im Schritt, an besonders kalten Tagen sogar noch länger. 

Des Weiteren hat Walter vorne eine Hufknorpelverknöcherung. Pferde mit dieser Erkrankung benötigen zumeist einen speziellen Beschlag und dürfen den betroffenen Huf nicht zu sehr belasten. Das bedeutet in meinem Fall, dass ich dauerhaft keine zu schweren Reiter auf mein Pferd setzen kann, kein Sprünge und zu hohen Trabstangen mit ihm trainieren darf, weil beim Aufkommen der Huf den Stoß abfedert. Dies ist zum einen für das Pferd schmerzhaft und zum anderen besteht die Gefahr das das Pferd irgendwann dauerhaft lahmt. 

 

 

Sein Rücken war nicht genug bemuskelt und er wölbte ihn nur ungern auf.

Wie ich bereits im vorangegangen Artikel erwähnte, sehe ich den Rücken der Pferde oft als größtes Problem. Ich habe durch viel Recherche im Internet jedoch eine Möglichkeit gefunden, wie ich zumindest bei meinem Friesen den Rücken enorm verbessern konnte. 

Zu Beginn jeder Reiteinheit lockere ich mein Pferd bereits in der Box. Ich dehne Vorhand und Hinterhand, lasse ihn mithilfe einer Möhre den Hals dehnen, indem ich seinen Kopf, mit der Möhre, so weit wie es geht Richtung Hinterhand führe. Auch lasse ich ihn den Kopf zwischen die Vorder-Beine nehmen, um seinen Rücken etwas aufzuwölben und versuche zu guter letzt, indem ich mit den Fingern unten am Bauch entlang fahre, seinen Rücken richtig aufzuwölben. Je öfter ihr diese Übungen durchführt, um so einfacher wird es eurem Pferd fallen. Am Anfang sieht das immer recht steif aus, aber mit der Zeit wird das Pferd immer beweglicher.

 

Nach dieser ersten Gymnastizierung in der Box, sattle ich mein Pferd und beginne zunächst mit Arbeit an der Longe. So kann sich das Pferd warm machen, ohne das ein Reiter zusätzlich Gewicht auf es bringt oder anderweitig auf ihn einwirkt. Ich lasse ihn ganz locker laufen und mache ihn nur ab und zu drauf aufmerksam, dass man sich auch nach innen Stellen kann. Nach etwa 10min beginne ich mit Tempowechseln im Schritt. Vom ganz langsamen Schritt bis zum schnelleren, aber nur so schnell, wie es mein Pferd kann. Ich sehe es deutlich, wenn ich ihn überfordere, da er in diesem Fall den Kopf hoch reißt. Nach ca. 20min Trabe ich ihn einige Runden an der Longe. Habe ich das Gefühl, dass er auch im Schritt einigermaßen warm ist, beginnen wir mit Seitengängen. Ich konnte beobachten, dass mein Pferd den Rücken sehr gut aufwölbt, wenn ich ihn dabei mit ganz tiefem Kopf stark seitwärts und nur ganz wenig vorwärts treten lasse. Hierbei achte ich besonders darauf, dass das Pferd seine Schritte bewusst und langsam setzt, das es gut übertritt und das weder Vorhand noch Hinterhand vorauseilt. Auch muss man stets darauf achten, dass der Kopf des Pferdes unten bleibt. Anfangs brauchen die Pferde auch hier ein wenig Übung. Im nächsten Schritt richte ich ihn Rückwärts. Auch hier muss darauf geachtet werden, dass der Kopf seine tiefe Position behält. Diese Übungen mache ich auf beiden Händen etwa 5 min. Natürlich muss man das Pferd zwischendurch immer mal wieder gerade gehen lassen, aber eine lange Bahnseite am Stück kann man dem Pferd durchaus zumuten.

 

Nun kann ich Aufsteigen. Oft kann ich jetzt schon feststellen, dass der Rücken meines Pferdes weiter aufgewölbt  ist. Wenn ich das spüre, weiß ich, dass ich ihn gut vorbeitet habe. 

Jetzt beginne ich mit Übungen im Schritt. Angedeutete Seitengänge, Konterstellung und Biegeübungen. Auch wenn ich mein Pferd bereits am Boden aufgewärmt habe, sitze ich nun mit zusätzlichem Gewicht auf ihm. Darum sollte man auch hier dem Pferd noch ein paar Minuten Zeit geben. Dann beginne ich mit der Arbeit im Trab. Zuerst lasse ich ihn im leichte Sitz vorwärts abwärts gehen. Dies tue ich auf beiden Händen. Habe ich es richtig gemacht, merke ich auch hier schon das der Rücken sich gehoben hat. Danach galoppiere ich mein Pferd, im leichten Sitz, auf der ganzen Bahn. Ziel ist es auch hier die Übung in Dehnungshaltung zu reiten. Habe ich beide Hände so warm gemacht, kann meine eigentliche Arbeit beginnen. Die richtige Arbeitsphase dauert bei mir etwa 20- 25 min. Hier reite ich auch immer wieder mal kurz im leichten Sitz und in Dehnungshaltung, um mein Pferd zum Aufwölben seines Rückens zu animieren. 

Auch auf das Abreiten bzw. Ablaufen lege ich besonders Wert. Etwa 5 Minuten lasse ich das Pferd ablaufen. Dann steige ich ab und mache die Übungen mit den Seitengängen und dem Rückwärtsrichten vom Anfang noch einmal. Ich beschränke mich hier auf etwa eine Bahnlänge pro Seite. Dann laufe ich mit meinem Pferd ca. weitere 5 Minuten zu Fuß. Dies hat den Hintergrund, das mein Pferd so mit aufgewölbten Rücken die Stunde beendet. Setze ich mich beim Abreiten auf das Pferd, wird es den Rücken wieder fallen lassen, denn zu Aufwölben hat es keine Veranlassung mehr. 

Mit diesen Einfachen Übungen habe ich den Rücken meines Pferdes sehr verbessert. Walter kann mich nun besser tragen und auch seinen Rücken viel besser aufwölben. Die Rückenmuskulatur ist mehr geworden und sieht gesund aus. 

 

Zusätzlich habe ich jetzt intensiv begonnen mit den Geitner-Gassen zu Trainieren (wie ihr in meinem letzten Facebook-Einträgen lesen konntet). Beide Pferde nehmen das neue Training super an. Ich möchte noch etwas Erfahrung zu dem Thema sammeln, werde darüber aber auf jeden Fall noch einen Blog-Eintrag schreiben.

 

Das nächste mal geht es mit folgendem Thema weiter:

Walter tritt mit der Hinterhand an sich vorbei. Was kann man dagegen tun?

 

 

 Foto: Walter nach getaner Arbeit. Dafür das er so fleißig war, gab es auch einen vollen Eimer. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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